Guestbook Mail Me About Me Reference Home
 

Prelude III: Spanish Prelude / Agitato


Laut Satzbezeichnung ist das dritte Prelude unruhig und erregt. Es hat eine Länge von 58 Takten und ist im 2/4-Takt geschrieben. Die generelle Tonart ist Eb-moll, wobei aber auch manchmal zu Eb-dur gewechselt wird. Die Spanish Prelude besteht aus sechs größeren Teilen (A bis F).
Teil A, der über die Takte, 1 bis 4 geht, ist die Einleitung. Sie gibt einen lauter werdenden Rhythmus vor und wird vor dem Auftakt zum zweiten Teil langsamer.



Teil A, Einleitung und Thema (Tkt. 1-8)


Im Teil B (Tkt 5 bis 12) erscheint viermal das Thema, das aus zwei Takten besteht. Das „A tempo“ in Tkt. 5 bedeutet, dass der Takt ab diesem Zeitpunkt streng eingehalten werden soll, in diesem Fall nach einem Ritartando. Das Thema ist zuerst mezzoforte, dann piano. Es beginnt mit einem Auftakt, dem drei Triolen und synkopische Sechszehntel- und Achtelnoten folgen. Nach dem schnellen ersten Takt der Phrase geht eine einzige längere Note über den zweiten Takt. Im Bass wechseln sich jeweils ein Takt mit vier geraden durchgehenden Achteln und ein synkopierter Takt ab. Der nächste Teil, C, beinhaltet die Takte 13 bis 20. Es ist ein kurzes Zwischenstück, in dem ein kurz auftaktig rhythmisches Motiv insgesamt sechs Mal variiert und immer noch weiter ausgestaltet vorkommt. Der Bass spielt zunächst gerade Achtel und steigert sich dann auf Sechszehntel. Teil D – das heißt die Takte 21 bis 28 – ist eine etwas veränderte Wiederholung von B. Beim zweiten Mal ist die Melodie aber um eine Oktav höher und die Bassfigur ist anders betont. Der nachfolgende Teil E (Tkt. 29 bis 50) ist der Mittelteil dieser Komposition. Es begegnet uns zwei Mal ein in Oktaven gehaltenes Nebenthema, welches von chromatischen Basstonschritten begleitet ist. Das Nebenthema selbst ist in der Tonlage ansteigend und dramatisch und es folgt einem synkopisch versetzten Rhythmus. Der Höhepunkt ist in den mit Fortissimo bezeichneten Takten 32 und 33 erreicht, in einer Folge von vier Mollseptakkorden (F, Eb, D, F) mit oktavierter Terz, die sich dann zu Gb-dur auflösen. Bevor das Thema erneut beginnt, kommt eine aus Triolen und Achtel bestehende Überleitung. Nach dem zweiten Erscheinen des Seitenthemas wird aus der Überleitung in den Schlussteil aus einem Triolenrhythmus ein regelmäßiger 1/16-Rhythmus. Die Bezeichnung „sempre“ in Takt 47 heißt immer und bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Lautstärkenangabe pianissimo. Aus vorerwähntem 1/16-Rhythmus wird sogar ein auskomponierter 1/32 Triller.



Teil E, Nebenthema (Tkt. 37-42)


Der Schlussteil, hier mit F bezeichnet, enthält die Takte 51 bis 58. Noch einmal erscheint abschließend das Hauptthema, allerdings wie folgt erweitert: Die Melodie selbst wird in Oktaven gespielt, dazwischen sind in jedem zweiten Takt 2 1/16 Noten in einem Terzsprung eingelagert und im Bass finden sich große Sprünge. Das dritte Prelude endet schließlich in einer Akkordzerlegung in Eb-dur. Der allerletzte Sprung ist eine Oktave (von eb3 zu eb4).

Im Spanish Prelude verwendet Gershwin relativ wenig Bezeichnungen im Notensatz. Hingegen in Bezug auf die Dynamik sind Gershwins Angaben wieder sehr genau. Er verwendet noch mehr Lautstärkenabstufungen (sieben) als in den ersten beiden Preludes. Das am meisten eingesetzte dynamische Mittel ist zugleich die höchste Lautstärke, das Fortissimo (ff). Der Komponist verwendet es in den Takten 32, 40, 50, 52, 54, 56 und 58, also sieben Mal. Besonders deutlich wird das Fortissimo im Mittelteil; generell wird es gegen Ende des Stückes häufiger. Das forte (f) ist insgesamt drei Mal (Tkt. 20, 28, 36) vorhanden. Im ersten Fall ist es dabei in Form einer Überleitung zu Teil D, in den anderen beiden Fällen jeweils der Beginn des Zwischenthemas. Nur an zwei Stellen (Tkt. 5, 49) können wir das Mezzoforte (mf) finden. In Takt 5 steht es zum erstmaligen Beginn des Themas, in Takt 49 bei einem langen Triller in Sekundabstand, der als Überleitung zum Schlussteil fungiert. Im dritten Prelude setzt Gershwin ein in den beiden vorhergehenden Werken noch nicht vorgekommenes Mittel der Dynamik ein: Das Sforzato (sf), was dem Charakter der rhythmischen Betonung gleichkommt und die plötzliche Verstärkung eines Tones bewirkt. In den beiden Takten 8 und 24 dient es als Auftakt zum Hauptthema. Das Mezzopiano (mp) finden wir in den Takten 21, 52, 54, 56. In Takt 21 steht es zu Beginn des Teils D, in den anderen bezeichnet es die Lautstärke der zuvor schon erwähnten in die Melodie eingeschobenen 1/16 Noten des Schlussteils. Das Piano (p) können wir in drei Takten (1, 9, 25) feststellen. Das Pianissimo (pp), die leiseste Stufe in diesem Stück, begegnet uns in den Takten 34, 42 und 47. In allen drei Fällen sind es Überleitungen. Zu guter Letzt bleiben noch die Crescendos (Tkt. 2, 19, 37, 29, 48, 49, 50) und nur ein Decrescendo (49). Im letzten Prelude liegen alles in allem die Forte- und Pianozeichen relativ nahe beisammen (14:9), in Überzahl sind aber die Fortezeichen.
Schließlich ist auch der Ambitus im dritten Prelude groß, er umfasst über 5 Oktaven. Der tiefste Ton ist das B2, der höchste das eb4.
Gershwin verwendet relativ häufig die Intervalle Quint (v.a. im Bass), Oktaven (in der rechten Hand) und Quarten (in der Melodie). Der Rhythmus spielt im letzten Prelude eine wichtige Rolle. (-> span. Lokalkolorit) Bereits in der Einleitung erkennen wir einen ausgefallenen Rhythmus und auch Haupt- und Nebenthema sind diesbezüglich sehr raffiniert aufgebaut.
Noch kurz zum Harmonischen: Auffallend ist, dass das Thema in Eb-moll beginnt und in der gleichnamigen Durtonart Eb-dur endet. Im Mittelteilthema wandert die Harmonie zwei Mal von Ab-moll zu B-dur bzw. Ab-dur, ehe die vier bereits erwähnten Mollseptakkorde (F, Eb, D, F) folgen. Man sieht, dass sich das Stück eigentlich generell nicht immer an die durchgehende Tonart hält, was zum einen die vielen Auflösungszeichen beweisen und das Ende in Eb-dur erklärt. (Die eingangs festgelegte Tonart Eb-moll würde auch einen Schluss in dieser Harmonie verlangen!) Dissonante Töne sind in diesem Stück v.a. in der Einleitung aufgrund der Septimen gegeben bzw. im Teil C wegen der Septimen und Sekunden.

Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Stücken ist im dritten Prelude keine einzige Pedalangabe vorgegeben. Dies lässt sich wahrscheinlich dadurch erklären, dass Gershwin dieses Stück möglichst trocken und klar gespielt haben wollte. Hingegen gibt sehr viele Betonungen: Tenuto, staccato, détaché, Akzente, Akzente mit Staccato und détaché mit staccato. (Erklärungen siehe zuvor).