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Die Rhapsody in Blue


Zu Beginn der 20er wurde in Amerika der reine Jazz, gespielt v.a. von Schwarzen, populär. Louis Amstrong oder Duke Ellington sind nur zwei von vielen, die in dieser Zeit Aufsehen erregten. Doch es dauerte nicht lange und aus dem ursprünglichen Musizieren wurde bald ein kommerzielles Geschäft, aus dem vitalen Musizierstil des Jazz der dollarbringende Schlagerstil des Pseudojazz. Dazu entnahm man einige Elemente des Jazz, nahm ihm seine Aggressivität und überzog das ganze noch mit Zuckerguss und schon war die Breite Masse der Zuhörer begeistert. Der Hauptvertreter dieser „sweet Music“ war der Dirigent George Whiteman. Er suchte mit allen Mitteln den Erfolg und engagierte zu diesem Zwecke George Gershwin für ein neues Stück. Dieser war jedoch zunächst keineswegs begeistert. Erstens war er gerade mit Musicals beschäftigt, zweitens war er sich seiner theoretisch-handwerklichen Mängel aufgrund seiner fehlenden Ausbildung bewusst und drittens wollte und konnte er die Elemente des Jazz nicht nur als äußere Zutat verwenden. Dazu war seine Meinung von diesem Musizierstil zu groß. Dennoch ließ ihm Whitemans Auftrag keine Ruhe und er kam zu dem Gedanken, wie es wäre, sich anstelle der technischen Funktionen des Jazz mit seinem Ausdruck zu beschäftigen. Noch bevor er den Plan ganz durchgedacht hatte, konnte er schon in der Zeitung lesen, dass er, George Gershwin an einem größeren sinfonischen Werk arbeite, welches am 12. Februar 1924 uraufgeführt werde. Bis dahin war es nur mehr wenige Wochen und so musste er sich beeilen. Von seinem Bruder Ira bekam Gershwin einige Anregungen und auch den Titel Rhapsody in Blue, wobei „in Blue“ auch musikalisch zu erklären ist, da Gershwin einige Blue Notes verwendete. Gershwin schrieb die ursprüngliche Fassung für zwei Klaviere. Großen Wert legte er v.a. auf den Beginn seines Werkes, ein faszinierendes schrill-nervöses Klarinettenglissando über zwei Oktaven, an dem der Klarinettist 5 Tage tüfftelte, bis er einen Weg fand, es genau so zu spielen, wie Gershwin es sich vorstellte.


Klarinettenglissando zu Beginn


Das Werk wurde erst acht Tage vor der Premiere fertig und zur Premiere erschienen berühmte Komponisten, Virtuosen, Broadwaystars und einflussreichen Leute aus der Tin-Pan-Alley. Als schließlich die Rhapsody an die Reihe kam, war das Publikum über diese vollkommen neue Musik erstaunt. Das kühne Klarinetten-Glissando begann, darauf folgte das fesselnde Hauptthema und schließlich griff das Klavier ein. Nach der zweiten Solokadenz des Klavier stimmte das Orchester einen rhapsodisch dahinströmenden Gesang an, der sich bis ins Grandiose steigerte. Gegen Ende spielte das Orchester dann das Hauptthema, während das Klavier gleichzeitig das hämmernde zweite Thema dazwischen warf. Die letzten Takte glichen einer Explosion. Publikum und Kritiken waren von der Rhapsody begeistert, man glaubte das echte pulsierende Amerika zu hören. Gershwin wurde seine außergewöhnliche Begabung bescheinigt, sein Einfallsreichtum und sein rhythmisches Gefühl. Darüber hinaus hatte er aber ein Werk geschrieben, das erstmals Jazz und Klassik verband. Typisch für die Klassik sind z.B. die Orchestersätze, für den Jazz wiederum die Bläsersätze oder die gegeneinanderlaufende Rhythmen. Die Rhapsody war der geniale Beginn Gershwins Konzertkarriere und wurde im Laufe der Zeit zu einem auf viele Arten interpretierten Werk, das bis heute allen Deutungen standgehalten hat.