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Gershwin als Person


George hatte von Anfang an das Ziel ein großer Komponist der Unterhaltungsmusik zu werden. Bereits mit 16 war er der Meinung, dass ein ernsthafter Komponist mit den Mitteln der ernsthaften Musik auch auf dem Gebiet der leichten Musik Bedeutendes schaffen könnte. Als erfolgreicher Komponist sagte er: „Jazz ist Musik; sie verwendet keine anderen Töne als etwa Bach. Jazz hat uns bleibende Werte vermittelt, weil er unsere spezifische Ausdrucksform wurde. Ich glaube, dass er die Grundlage sinfonischer Werke von bleibendem Wert bilden kann.“ . Gershwin wollte also populäre Werke mit den Mitteln und Ansprüchen erster Musik schaffen. Er schrieb Schlager, weil er dafür sein ganzes Wissen und Können einsetzen musste, alle Prinzipien und Theorien. Er stellte konsequent künstlerische Ansprüche an eine Musik, in der sonst vordergründig oder ausschließlich der Unterhaltungswert zählte. In Gershwins Leben spielte die Musik die zentrale Rolle. Ohne Ermüdung komponierte und spielte er und wenn ihm etwas gut gelang, verkündete er das auch gleich ohne Zögern; er war richtig süchtig nach Komplimenten. In gewissem Sinn war Gershwin ein Egozentriker. Als ein Hoteldirektor ihm einmal mitteilte, seine Nachbarn hätten sich über lautes Klavierspiel aufgeregt, erwiderte er: „Ja wissen sie denn nicht, dass sie Gershwin hören?“ und zu einem Taxifahrer sagt er einmal: „Vorsicht, Mann! Bedenken Sie, dass Sie George Gershwin an Bord haben!“ . Dieser Egozentrismus wirkte bei ihm aber nie peinlich. Zum einen kompensierte er ihn mit Sanftmut und zum anderen konnte er ebenso begeistert von Arbeiten anderer sein. Gershwin war sich seines Ruhmes durchaus bewusst und somit auch der Tatsache, dass er zum Mittelpunkt einer jeden Gesellschaft wurde. Natürlich schätzte Gershwin auch Komfort, aber protzte nie damit und gab sich nie überheblich. Andererseits hatte er manchmal auch schwere Selbstzweifel, wenn ein eigenes Werk nicht ganz seiner Vorstellung entsprach. Dann seufzte er: „Ich habe ja noch so viel zu lernen!“ . Gershwin liebte Spiele jeder Art, betrieb oft Sport, war ein ausgezeichneter Tänzer und verfügte über ein mimisches Talent. Aufgrund seiner Magen- und Darmbeschwerden wurde Gershwin im Laufe der Zeit zu einem übervorsichtigen heiklen Esser und Anhänger von Diäten. Weiters war er in der Öffentlichkeit übertrieben prüde. Seine Schwester ermahnte er einmal, den Rocksaum nicht zu hoch über die Knie rutschen zu lassen. Eine letzte Eigenheit Gershwins war, dass er bei jeder Gelegenheit versuchte, Lehrer für sich zu gewinnen. Außer bei Hambitzer und Kilenyi nahm er aber nie geregelten Unterricht. Dahinter steckte wohl sein Bedürfnis nach Selbstbestätigung und Beruhigung, denn er war mitnichten ein akademisch ausgebildeter Komponist.